Anders als bei Vitamin B12 oder Vitamin D ist Folatmangel bei deutschen Kindern selten. Aber: Die durchschnittliche Zufuhr liegt unter dem DGE-Schätzwert — vor allem, weil viele Kinder weniger grünes Gemüse und Vollkornprodukte essen als empfohlen. Die Versorgung wird daher oft als "knapp" beschrieben, ohne dass tatsächlich klinische Symptome auftreten.
Laut EsKiMo-II-Studie liegt die durchschnittliche Folataufnahme deutscher Kinder bei etwa 60-80 % des DGE-Schätzwerts. Das klingt dramatischer als es ist: Die DGE-Werte enthalten einen Sicherheitspuffer, und die Folat-Speicher in der Leber reichen 3-4 Monate. Klinisch manifeste Folatmängel (mit megaloblastärer Anämie) sind bei deutschen Kindern eine Rarität.
Problematischer als der durchschnittliche Mangel ist die Verteilung: Manche Kinder essen praktisch kein grünes Gemüse — bei ihnen kann die Versorgung über längere Zeiträume tatsächlich knapp werden. Hilfreich ist hier oft nicht die Supplementierung, sondern eine pragmatische Erweiterung der Ernährung: ein paar Tropfen Olivenöl mit Salat, Hummus zum Snacken, oder ein Vollkornbrot statt Weißbrot.
Quellen: Robert Koch-Institut 2017; DGE 2025