Brauchen Kinder Folsäure?

Folsäure (Vitamin B9) ist wichtig für die Blutbildung, Zellteilung und die Bildung der DNA. Sie kommt natürlich in grünem Blattgemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten vor. Bei abwechslungsreicher Ernährung ist die Versorgung in der Regel gut. Eine besondere Aufmerksamkeit verdient die Frage bei veganer Ernährung — nicht wegen Mangel, sondern wegen der engen Verbindung zu Vitamin B12, die ein klares Bild der Versorgung erfordert.

Zuletzt geprüft am 12. Mai 2026
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  • 9 Min Lesezeit

02 · Bedarf

Bedarf nach Alter

DGE-Referenzwerte für Folsäure

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt die Folsäurezufuhr in Folat-Äquivalenten (µg-FÄ) an, weil sich die Bioverfügbarkeit von natürlichem Folat und synthetischer Folsäure unterscheidet. 1 µg-FÄ entspricht 1 µg natürlichem Folat oder 0,5 µg Folsäure aus Nahrungsergänzungsmitteln.

Altersgruppe pro Tag
DGE Folsäure 1–4 Jahre 120 µg-FÄ
DGE Folsäure 4–7 Jahre 140 µg-FÄ
DGE Folsäure 7–10 Jahre 180 µg-FÄ
DGE Folsäure 10–13 Jahre 240 µg-FÄ
DGE Folsäure 13–19 Jahre 300 µg-FÄ

Folatreiche Lebensmittel sind dunkelgrünes Blattgemüse (Spinat, Feldsalat), Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Eier und Leberprodukte.

Folat ist hitze- und lichtempfindlich. Beim Kochen und längeren Lagern können bis zu 50 Prozent des Folats verloren gehen — frisches Obst und Gemüse sind die beste Quelle.

Bei Kindern, die wenig Gemüse essen, kann die Folatversorgung knapp werden. Die Datenlage zur tatsächlichen Versorgung in Deutschland ist heterogen.

Folsäure ist die synthetische, stabilere Form des natürlichen Folats. Beide sind biologisch gleichwertig, ihre Bioverfügbarkeit unterscheidet sich aber. Folsäure aus Nahrungsergänzungsmitteln wird besser aufgenommen als natürliches Folat.

Quelle:DGE 2025

03 · Versorgungslage

Wie gut sind Kinder in Deutschland mit Folsäure versorgt?

Anders als bei Vitamin B12 oder Vitamin D ist Folatmangel bei deutschen Kindern selten. Aber: Die durchschnittliche Zufuhr liegt unter dem DGE-Schätzwert — vor allem, weil viele Kinder weniger grünes Gemüse und Vollkornprodukte essen als empfohlen. Die Versorgung wird daher oft als "knapp" beschrieben, ohne dass tatsächlich klinische Symptome auftreten.

Laut EsKiMo-II-Studie liegt die durchschnittliche Folataufnahme deutscher Kinder bei etwa 60-80 % des DGE-Schätzwerts. Das klingt dramatischer als es ist: Die DGE-Werte enthalten einen Sicherheitspuffer, und die Folat-Speicher in der Leber reichen 3-4 Monate. Klinisch manifeste Folatmängel (mit megaloblastärer Anämie) sind bei deutschen Kindern eine Rarität.

Problematischer als der durchschnittliche Mangel ist die Verteilung: Manche Kinder essen praktisch kein grünes Gemüse — bei ihnen kann die Versorgung über längere Zeiträume tatsächlich knapp werden. Hilfreich ist hier oft nicht die Supplementierung, sondern eine pragmatische Erweiterung der Ernährung: ein paar Tropfen Olivenöl mit Salat, Hummus zum Snacken, oder ein Vollkornbrot statt Weißbrot.

Quellen: Robert Koch-Institut 2017; DGE 2025

Die Folatversorgung deutscher Kinder liegt im Durchschnitt unter den DGE-Empfehlungen. Klinisch relevante Mangelzustände sind aber selten — die Versorgung ist meist "suboptimal", nicht mangelhaft.

04 · Funktion

Wofür braucht der Körper Folsäure?

Folsäure spielt überall dort eine Rolle, wo Zellen sich teilen — also in Wachstumsphasen besonders aktiv. Sie ist beteiligt an der Bildung roter Blutkörperchen, am Aminosäurestoffwechsel und an der Homocystein-Verstoffwechselung. Anders als bei vielen anderen Vitaminen ist die natürliche Form (Folat aus Lebensmitteln) weniger gut bioverfügbar als die synthetische Form (Folsäure aus Supplementen oder angereicherten Lebensmitteln).

01

Folsäure – Blutbildung

Folsäure ist zusammen mit Vitamin B12 für die Bildung roter Blutkörperchen unverzichtbar. Ein Folsäuremangel kann — wie ein B12-Mangel — zu einer makrozytären Anämie führen.

Erlaubter Wortlaut

„Folat trägt zu einer normalen Blutbildung bei."

02

Folsäure – Aminosäuresynthese

Folsäure ist als Coenzym an der Umwandlung verschiedener Aminosäuren beteiligt — unter anderem bei der Methylierungs-Reaktion, die im gesamten Zellstoffwechsel eine zentrale Rolle spielt.

Erlaubter Wortlaut

„Folat trägt zu einer normalen Aminosäure-Synthese bei."

03

Folsäure – Homocystein-Stoffwechsel

Folsäure baut zusammen mit Vitamin B6 und B12 die Aminosäure Homocystein ab. Bei Mangel kann sich Homocystein anreichern — was als Risikofaktor für Gefäßerkrankungen gilt.

Erlaubter Wortlaut

„Folat trägt zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei."

04

Folsäure – Psychische Funktion

Folsäure ist an der Bildung stimmungsrelevanter Neurotransmitter beteiligt. Studien zeigen Zusammenhänge zwischen Folsäureversorgung und psychischer Stabilität.

Erlaubter Wortlaut

„Folat trägt zur normalen psychischen Funktion bei."

6 Alle zugelassenen Aussagen zu Folsäure Wortlaut nach Verordnung (EU) Nr. 432/2012

Für die Allgemeinbevölkerung zugelassen

Diese Aussagen beziehen sich nicht speziell auf Kinder.

  • „Folat trägt zu einer normalen Aminosäure-Synthese bei."
  • „Folat trägt zu einer normalen Blutbildung bei."
  • „Folat trägt zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei."
  • „Folat trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei."
  • „Folat trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei."
  • „Folat hat eine Funktion bei der Zellteilung."

05 · Lebensmittel

Welche Lebensmittel enthalten Folsäure?

Der Name "Folsäure" kommt vom lateinischen folium (Blatt) — und genau dort kommt das Vitamin am meisten vor: in grünem Blattgemüse. Allerdings: Folat ist eines der empfindlichsten Vitamine. Beim Kochen, Lagern und Verarbeiten gehen oft 50-80 % verloren. Frisch und schonend zubereitet ist es deutlich ergiebiger.

Spitzenreiter sind grüne Blattgemüse: Spinat, Feldsalat, Rucola und Mangold. Eine Handvoll Spinat als Salat (etwa 80 g) liefert bereits 120-150 µg Folat — fast den gesamten Tagesbedarf eines Kleinkindes. Wichtig: Folat ist hitze-, licht- und sauerstoffempfindlich. Frischer Spinat im Salat liefert deutlich mehr Folat als gekochter Tiefkühl-Spinat. Beim Kochen sollte das Gemüse möglichst kurz und mit wenig Wasser gegart werden — oder besser noch: roh oder als Smoothie verarbeitet werden.

Hülsenfrüchte sind die zweite wichtige Säule: Linsen, Kichererbsen und Bohnen liefern jeweils 50-180 µg Folat pro 100 g (gekocht). Hummus auf dem Brot, Linseneintopf oder Bohnen-Wraps sind alltagstaugliche Wege. Vollkornprodukte und einige Obstsorten (Orangen, Erdbeeren) ergänzen.

Quellen: MRI 2025

Anteil am Referenzwert

Alter deines Kindes 6 Jahre
1 16
  • Spinat, frisch (roh) pro 100 g 145 µg ·

    Eine Portion Salat (80 g) liefert über 110 µg — mehr als der halbe Tagesbedarf bei Schulkindern. Wichtig: roh oder kurz gedünstet, sonst Folatverluste.

  • Linsen, gekocht pro 100 g (gekocht) 180 µg ·

    Linsen sind nicht nur Eisen-, sondern auch Folat-Star. Ein Linseneintopf mit 200 g gekochten Linsen liefert etwa 360 µg.

  • Kichererbsen, gekocht pro 100 g (gekocht) 170 µg ·

    Hummus aufs Brot oder zum Dippen — eine Portion (30 g) liefert etwa 50 µg. Gut akzeptiert von vielen Kindern.

  • Vollkornbrot (Roggen-Weizen) pro 100 g 45 µg ·

    Zwei Scheiben Vollkornbrot (80 g) liefern etwa 36 µg — über den Tag verteilt summiert sich das.

Nährwerte:MRI 2025 · Referenzwerte: DGE 2025

Grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte sind die wichtigsten Folatquellen. Wichtig: Folat ist hitze- und lichtempfindlich — schonende Zubereitung erhält mehr.

07 · Sicherheit

Höchstmenge nach Alter

EFSA UL Folsäure 1–3 Jahre 200 µg
EFSA UL Folsäure 4–6 Jahre 300 µg
EFSA UL Folsäure 7–10 Jahre 400 µg
EFSA UL Folsäure 11–14 Jahre 600 µg
EFSA UL Folsäure 15–17 Jahre 800 µg

Hohe Folsäuredosen können einen Vitamin-B12-Mangel maskieren — die Blutbildungs-Symptome eines B12-Mangels werden durch Folsäure ausgeglichen, während die neurologischen Schäden weitergehen.

Quelle:EFSA 2006

08 · Häufige Fragen

Sieben Fragen zu Folsäure

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Wie viel Folsäure braucht mein Kind?

Der DGE-Schätzwert hängt vom Alter ab: 80 µg/Tag (1-4 Jahre), 120 µg (4-7), 140 µg (7-10), 180 µg (10-13), 240 µg (13-15) und 300 µg ab 15 Jahren. Diese Werte beziehen sich auf Folat-Äquivalente — bei synthetischer Folsäure aus Supplementen ist die Bioverfügbarkeit höher, daher reichen kleinere Mengen. Eine durchschnittliche deutsche Kinderkost liegt oft 20-40 % unter diesen Werten — meist ohne klinische Folgen, aber mit Optimierungspotenzial.

Ist Folsäuremangel bei Kindern häufig?

Manifester Folatmangel mit klinischen Symptomen (megaloblastäre Anämie) ist bei deutschen Kindern eine Rarität. Häufiger ist eine "suboptimale" Versorgung — die Zufuhr liegt unter den DGE-Werten, ohne dass aktuell Beschwerden auftreten. Das ist eher Grund zur Ernährungsoptimierung als zur Sorge. Risikogruppen sind Kinder mit chronischen Erkrankungen, bestimmten Medikamenten oder sehr einseitiger Ernährung.

Reicht Folsäure aus Lebensmitteln oder braucht es ein Supplement?

Bei normaler Ernährung mit grünem Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten reicht die Versorgung über Lebensmittel aus. Eine prophylaktische Supplementierung bei gesunden Kindern ist nicht empfohlen. Anders kann es bei spezifischen Konstellationen sein: bei nachgewiesenem Mangel, bei bestimmten Medikamenten, bei chronischen Erkrankungen — hier entscheidet der Kinderarzt über eine gezielte Gabe.

Was hat Folsäure mit Vitamin B12 zu tun?

Beide arbeiten im gleichen Stoffwechselweg — sie sind quasi Tanzpartner. Ein Mangel an einem kann den anderen "maskieren": Hochdosierte Folsäuregabe ohne ausreichend B12 kann die Blutbildveränderungen ausgleichen, aber Nervenschäden durch B12-Mangel schreiten unbemerkt fort. Deshalb gilt: Bei Verdacht auf Mangel beide testen lassen. Bei veganer Ernährung beide Nährstoffe gemeinsam beachten.

Kann mein Kind zu viel Folsäure bekommen?

Über die normale Ernährung praktisch nicht — Folat aus Lebensmitteln ist sicher. Bei synthetischer Folsäure aus Supplementen gibt es eine EFSA-Obergrenze (UL) von 200-600 µg/Tag bei Kindern (altersabhängig). Sehr hohe Dosen können einen Vitamin-B12-Mangel maskieren oder neurologische Symptome verstärken. Daher: Supplemente nur in Absprache mit dem Kinderarzt und in altersgerechter Dosierung.

Welche Kinder haben einen erhöhten Folsäurebedarf?

Kinder mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (verminderte Aufnahme), Kinder unter bestimmten Medikamenten (Antiepileptika, Methotrexat — diese hemmen den Folatstoffwechsel), Kinder mit Mukoviszidose und Kinder in starken Wachstumsschüben. Bei diesen Kindern erfolgt die Folatversorgung idealerweise in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt.

Wie erkenne ich einen Folsäuremangel beim Kind?

Die Symptome sind unspezifisch: anhaltende Müdigkeit, blasse Haut, Konzentrationsprobleme, gereizte Stimmung, Wachstumsverzögerung, Schleimhautveränderungen. Diese Anzeichen sind aber bei vielen Mängeln ähnlich — Eisenmangel ist viel häufiger und macht ähnliche Symptome. Eine sichere Diagnose ist nur über das Blutbild plus Folat- und B12-Werte möglich. Bei Verdacht: zum Kinderarzt.

Gilt das auch für dein Kind?

Der Ernährungskompass prüft in acht Fragen zu Alter, Essgewohnheiten und Aufenthalt im Freien, ob Folsäure bei euch überhaupt zu den relevanten Nährstoffen zählt. Und sagt es auch, wenn nicht.

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Quellen dieses Artikels

Referenzwerk

Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), 3. Auflage, 1. Ausgabe, 2025. Bonn, Loseblattsammlung (Ringordner). ISBN 978-3-88749-291-5

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Studie

KiGGS Welle 2 — Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland

Robert Koch-Institut, Mauz E, Gößwald A, Kamtsiuris P, et al., Welle 2, 2017. Datenerhebung 2014–2017, Stichprobe N=15.023

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