Brauchen Kinder Vitamin A?

Vitamin A ist wichtig für Sehkraft, Immunsystem, Hautgesundheit und Wachstum. Es kommt in zwei Formen vor: als Retinol in tierischen Lebensmitteln und als Beta-Carotin in pflanzlichen Quellen, das der Körper bei Bedarf in Vitamin A umwandelt. Bei abwechslungsreicher Ernährung ist der Bedarf bei den meisten Kindern in Deutschland gut gedeckt. Eine Supplementierung mit Retinol-haltigen Produkten erfordert besondere Vorsicht — eine Überdosierung kann zu Symptomen führen.

Zuletzt geprüft am 12. Mai 2026
  • 2 Quellen
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02 · Bedarf

Bedarf nach Alter

DGE-Referenzwerte für Vitamin A

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt die Vitamin-A-Zufuhr in Retinol-Äquivalenten (µg-RE) an. 1 µg-RE entspricht 1 µg Retinol (vorgeformtes Vitamin A) oder 6 µg Beta-Carotin (Provitamin A). Die Werte gelten in der 3. Auflage der DGE/ÖGE-Referenzwerte (2024).

Altersgruppe Männlich Weiblich
DGE Vitamin A 1–4 Jahre 300 µg-RE 300 µg-RE
DGE Vitamin A 4–7 Jahre 350 µg-RE 350 µg-RE
DGE Vitamin A 7–10 Jahre 450 µg-RE 450 µg-RE
DGE Vitamin A 10–13 Jahre 600 µg-RE 600 µg-RE
DGE Vitamin A 13–15 Jahre Jungen 800 µg-RE 700 µg-RE
DGE Vitamin A 15–19 Jahre Jungen 950 µg-RE 800 µg-RE

Vorgeformtes Vitamin A (Retinol) findet sich in Leber, Milchprodukten und Eiern. Provitamin A (Beta-Carotin) kommt in farbintensivem Gemüse vor — Karotten, Süßkartoffeln, Kürbis, Spinat.

Beta-Carotin wird im Körper bei Bedarf in Vitamin A umgewandelt. Eine Überdosierung über Beta-Carotin ist praktisch nicht möglich — der Körper reguliert die Umwandlung.

Vorgeformtes Vitamin A (Retinol) ist fettlöslich und kann im Körper gespeichert werden. Bei Überdosierung über Supplemente sind toxische Wirkungen möglich.

Vitamin A ist eines der ersten beschriebenen Vitamine. Ein schwerer Mangel zählt in Entwicklungsländern zu den häufigsten vermeidbaren Erblindungs-Ursachen bei Kindern.

Quelle:DGE 2025

03 · Versorgungslage

Wie gut sind Kinder in Deutschland mit Vitamin A versorgt?

Vitamin A nimmt in Deutschland eine Sonderstellung ein: Während bei vielen Nährstoffen die Lücke das Problem ist, ist es bei Vitamin A die Überdosierung. Mangel ist bei deutschen Kindern extrem selten — Milchprodukte, Eier und Gemüse decken den Bedarf in der Regel zuverlässig.

Die Vitamin-A-Versorgung deutscher Kinder ist laut EsKiMo-Studie im Durchschnitt sehr gut — bei vielen Altersgruppen wird der Referenzwert deutlich übertroffen. Hintergrund ist die hohe Vitamin-A-Dichte von Milchprodukten und Eiern, die in deutschen Haushalten Alltag sind. Hinzu kommt Beta-Carotin aus Möhren, Süßkartoffeln, Kürbis und grünem Gemüse — der Körper wandelt es nach Bedarf in Vitamin A um.

Klinisch relevante Vitamin-A-Mängel sind in Deutschland eine Rarität. Sie kommen vor allem bei Kindern mit Fettverdauungsstörungen (Mukoviszidose, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen) oder nach Lebertransplantation vor. Bei diesen Kindern erfolgt die Vitamin-A-Versorgung in ärztlicher Begleitung — eine eigenmächtige Supplementierung ist hier nicht angebracht.

Quellen: Robert Koch-Institut 2017; DGE 2025

Bei den meisten Kindern in Deutschland ist die Vitamin-A-Versorgung gut. Echter Mangel ist eine Rarität — Vorsicht ist eher bei der Überversorgung durch hochdosierte Supplemente geboten.

04 · Funktion

Wofür braucht der Körper Vitamin A?

Vitamin A wird oft auf "das Sehvitamin" reduziert — tatsächlich ist es an deutlich mehr Funktionen im Körper beteiligt. Es ist Bestandteil des Sehfarbstoffs Rhodopsin (wichtig für das Sehen im Dämmerlicht), unterstützt aber genauso das Immunsystem, die Zellteilung und die Regeneration von Haut und Schleimhäuten. Bei Kindern in Wachstumsphasen sind diese Wirkungen besonders relevant.

01

Vitamin A – Sehkraft

Vitamin A ist Bestandteil des Sehpurpurs (Rhodopsin) in den Stäbchenzellen der Netzhaut — er ermöglicht das Sehen bei Dämmerung. Ein schwerer Vitamin-A-Mangel kann zu Nachtblindheit und in extremen Fällen zur Erblindung führen.

Erlaubter Wortlaut

„Vitamin A trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei."

02

Vitamin A – Immunsystem

Vitamin A wird für die Differenzierung von Immunzellen und die Aufrechterhaltung der Schleimhautbarrieren benötigt — den ersten Abwehrlinien gegen Krankheitserreger. Vitamin-A-Mangel ist eine der Hauptursachen von Infektanfälligkeit in Entwicklungsländern.

Erlaubter Wortlaut

„Vitamin A trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei."

03

Vitamin A – Haut

Vitamin A reguliert die Erneuerung der Oberhaut und die Funktion der Talgdrüsen. Bei Mangel kann die Haut trocken und schuppig werden.

Erlaubter Wortlaut

„Vitamin A trägt zur Erhaltung normaler Haut bei."

04

Vitamin A – Schleimhäute

Vitamin A ist für die Reifung und Erneuerung von Schleimhautzellen in Atemwegen, Verdauungstrakt und Augen unverzichtbar. Ein Mangel zeigt sich oft zuerst an trockenen Schleimhäuten und erhöhter Infektanfälligkeit.

Erlaubter Wortlaut

„Vitamin A trägt zur Erhaltung normaler Schleimhäute bei."

5 Alle zugelassenen Aussagen zu Vitamin A Wortlaut nach Verordnung (EU) Nr. 432/2012

Für die Allgemeinbevölkerung zugelassen

Diese Aussagen beziehen sich nicht speziell auf Kinder.

  • „Vitamin A trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei."
  • „Vitamin A trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei."
  • „Vitamin A trägt zur Erhaltung normaler Schleimhäute bei."
  • „Vitamin A trägt zur Erhaltung normaler Haut bei."
  • „Vitamin A trägt zu einem normalen Eisenstoffwechsel bei."

05 · Lebensmittel

Welche Lebensmittel enthalten Vitamin A?

Über die Ernährung ist die Vitamin-A-Versorgung in Deutschland in der Regel gut zu decken. Die ergiebigsten Quellen sind tierisch — vor allem Leber, die so viel Vitamin A enthält, dass kleine Kinder davon nicht zu viel essen sollten. Pflanzliche Quellen liefern Beta-Carotin, das der Körper nach Bedarf in Vitamin A umwandelt — bei Überschuss bleibt es harmlos, weil die Umwandlung selbstreguliert ist.

Tierische Quellen liefern Retinol direkt — das ist die Form, die der Körper nutzen kann. Leber ist die mit Abstand reichste Quelle (oft 5.000-10.000 µg Vitamin A pro 100 g), gefolgt von Lebertran, Eigelb, Butter und Käse. Eine kleine Portion Leberwurst auf dem Brot deckt bereits den gesamten Tagesbedarf eines Schulkindes.

Pflanzliche Quellen enthalten Beta-Carotin — die Vorstufe, die der Körper nach Bedarf in Vitamin A umwandelt. Süßkartoffel, Möhre, Kürbis, Spinat, Mangold und Grünkohl sind die wichtigsten Quellen. Wichtig: Beta-Carotin braucht Fett zur Aufnahme — eine geriebene Möhre mit etwas Öl oder Butter ist deutlich ergiebiger als die rohe Möhre pur. Bei pflanzlicher Aufnahme über Beta-Carotin gibt es keine Überdosierungsgefahr: Der Körper wandelt nur die benötigte Menge um.

Quellen: MRI 2025

Anteil am Referenzwert

Alter deines Kindes 6 Jahre
1 16
  • Süßkartoffel, gekocht pro 100 g (gekocht) 960 µg-RE ·

    Eine mittelgroße Süßkartoffel als Beilage liefert mehr als den Tagesbedarf bei Schulkindern. Mit etwas Öl oder Butter optimal verwertbar.

  • Möhren, gekocht pro 100 g 1,480 µg-RE ·

    Geriebene Möhre mit etwas Öl — eine kleine Portion (50 g) deckt bei Kleinkindern bereits den Tagesbedarf an Vitamin A.

  • Eigelb pro 100 g 380 µg-RE ·

    Ein mittelgroßes Eigelb (etwa 17 g) liefert circa 65 µg Retinol — direkt aufnehmbar, ohne Umwandlung nötig.

  • Butter pro 100 g 650 µg-RE ·

    Eine 10-g-Portion auf dem Brot liefert etwa 65 µg — über den Tag verteilt summiert sich das.

Nährwerte:MRI 2025 · Referenzwerte: DGE 2025

Vitamin A kommt in zwei Formen vor: Als Retinol direkt in tierischen Lebensmitteln (Leber, Eigelb, Milchprodukte) und als Beta-Carotin (Vorstufe) in gelb-orangem und grünem Gemüse.

07 · Sicherheit

Höchstmenge nach Alter

EFSA UL Vitamin A 1–3 Jahre 800 µg-RE
EFSA UL Vitamin A 4–6 Jahre 1100 µg-RE
EFSA UL Vitamin A 7–10 Jahre 1500 µg-RE
EFSA UL Vitamin A 11–14 Jahre 2000 µg-RE
EFSA UL Vitamin A 15–17 Jahre 2600 µg-RE

Vitamin A (Retinol) ist fettlöslich und wird im Körper gespeichert. Eine chronische Überdosierung kann zu Hypervitaminose A führen mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Hautveränderungen, Leberschäden und bei Kindern Wachstumsstörungen.

Quelle:EFSA 2006

08 · Häufige Fragen

Sieben Fragen zu Vitamin A

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Wie viel Vitamin A braucht mein Kind?

Der DGE-Schätzwert hängt vom Alter ab: 600 µg-RE/Tag (1-4 Jahre), 700 µg (4-10 Jahre), 800 µg (10-13 Jahre), bei Jugendlichen 1.000 µg für Jungen und 900 µg für Mädchen. Eine durchschnittliche Mischkost mit Milchprodukten und Gemüse liefert oft mehr als diese Werte — Vitamin A ist eines der wenigen Vitamine, bei denen Überversorgung relevanter sein kann als Unterversorgung.

Ist Vitamin-A-Mangel bei deutschen Kindern häufig?

Nein, manifester Vitamin-A-Mangel ist bei deutschen Kindern eine Rarität — anders als in vielen Entwicklungsländern, wo er ein großes Gesundheitsproblem ist. Hierzulande gibt es ausreichend Vitamin-A-reiche Lebensmittel im Alltag. Risikogruppen sind Kinder mit Fettverdauungsstörungen, chronischen Darmerkrankungen oder extrem einseitiger Ernährung — diese werden ärztlich betreut.

Sollte ich mein Kind mit Vitamin A supplementieren?

Bei gesunden Kindern in Deutschland ist eine prophylaktische Vitamin-A-Supplementierung nicht empfohlen — im Gegenteil: Sie kann mehr schaden als nützen. Vitamin A wird in der Leber gespeichert, und chronische Überdosierung kann zu Vergiftungserscheinungen führen. Eine Supplementierung erfolgt nur bei nachgewiesenem Mangel und in ärztlicher Begleitung. Pflanzliches Beta-Carotin aus Gemüse ist dagegen unbedenklich.

Kann mein Kind zu viel Vitamin A bekommen?

Ja, das ist sogar das häufigere Problem als Mangel. Akute Symptome bei stark erhöhter Zufuhr: Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel. Bei chronischer Überdosierung: trockene Haut, brüchige Nägel, Haarausfall, Leberschäden, Knochenschmerzen. Bei Kleinkindern kann eine einmalige sehr hohe Dosis (z.B. eine Portion Leber) bereits zu Beschwerden führen. Wichtig: Diese Risiken gelten nur für Retinol — Beta-Carotin aus Gemüse ist unbedenklich.

Darf mein Kind Leber essen?

In Maßen ja, aber bei kleinen Kindern mit Vorsicht. Leber ist extrem vitamin-A-reich: 100 g Rinderleber liefern etwa 9.000 µg-RE — das 15-fache des Tagesbedarfs eines Kleinkindes. Bei Kleinkindern unter 4 Jahren ist daher der gelegentliche Verzehr (z.B. eine kleine Portion Leberwurst auf dem Brot) ok, aber Leber als Hauptgericht oder regelmäßiger Verzehr nicht empfohlen. Bei älteren Kindern und Jugendlichen ist gelegentlicher Leberverzehr unproblematisch.

Reicht Beta-Carotin aus Gemüse für die Vitamin-A-Versorgung?

Ja, bei normaler Ernährung mit Möhren, Süßkartoffel, Kürbis, Spinat oder Grünkohl reicht Beta-Carotin völlig aus. Der Körper wandelt es nach Bedarf in Vitamin A um — und reguliert die Umwandlung selbst herab, wenn ausreichend Vitamin A vorhanden ist. Wichtig: Fett zur Mahlzeit verbessert die Aufnahme deutlich. Eine geriebene Möhre mit etwas Öl ist deutlich ergiebiger als die rohe Möhre pur. Pflanzliches Beta-Carotin hat den Vorteil, dass keine Überdosierungsgefahr besteht.

Sind vegan ernährte Kinder bei Vitamin A gut versorgt?

Meist ja — wenn die Ernährung viel gelbes/grünes Gemüse enthält. Möhren, Süßkartoffel, Kürbis, Spinat und Grünkohl liefern reichlich Beta-Carotin, das der Körper bei Bedarf in Vitamin A umwandelt. Wichtig ist die Kombination mit Fett (Öl im Salat, Avocado, Nüsse) für die Aufnahme. Bei sehr einseitiger veganer Ernährung mit wenig Gemüse kann die Versorgung knapp werden — dann lohnt sich eine Ernährungsoptimierung mehr als ein Supplement.

Gilt das auch für dein Kind?

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Quellen dieses Artikels

Referenzwerk

Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), 3. Auflage, 1. Ausgabe, 2025. Bonn, Loseblattsammlung (Ringordner). ISBN 978-3-88749-291-5

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Studie

KiGGS Welle 2 — Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland

Robert Koch-Institut, Mauz E, Gößwald A, Kamtsiuris P, et al., Welle 2, 2017. Datenerhebung 2014–2017, Stichprobe N=15.023

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